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Bewegung und Sport bei Krebserkrankungen

Bis vor zwanzig Jahren bestand Einigkeit darüber, dass onkologische Patienten, die einen aggressiven chirurgischen Eingriff hinter sich hatten, bzw. sich in einer Chemo- und oder Strahlentherapie befinden, zur körperlichen Schonung angeleitet werden sollten. Ärzte und Therapeuten waren sich damals bezüglich der tatsächlichen Wirkung von körperlichen Aktivitäten im Rahmen einer Krebserkrankung unsicher (SCHÜLE 2006).

Viele Ärzte standen der Sport- und Bewegungstherapie sehr skeptisch gegenüber, da körperliche Aktivität als Therapie mit der Schulmedizin wenig Gemeinsamkeiten hat. Hierdurch wurden Ängste geschürt die stellenweise bis heute noch aufrechterhalten werden (BAUMANN/SCHÜLE 2008).

Ähnliche Ansichten wurden früher bei der Behandlung des Herzinfarktes vertreten. Seit der Einführung von Sportprogrammen für Herzinfarktpatienten in den 70er- Jahren haben zahlreiche Untersuchungen den Wert der regelmäßigen körperlichen Aktivität bei verschiedenen Erkrankungen belegt und es wurden positive Erfahrungen im rehabilitativen Prozess mit Krebspatienten gesammelt. Inzwischen ist der positive Effekt der Sport- und Bewegungstherapie in der Onkologie bewiesen.

Studien lassen vermuten, dass regelmäßige körperliche Aktivität die Inzidenz von Karzinomen reduziert bzw. dem sportlichen Bewegungstraining ein krebsschützender Effekt zuzuschreiben ist und es durch eine körperliche Aktivität zu einer Verbesserung des psychischen und physischen Zustandes kommt (DIMEO 2004).

Trotz der beschriebenen positiven Studien und Effekte, werden aktuell in Deutschland, Österreich und der Schweiz in der Krebsbehandlung sowohl in stationärer als auch in der ambulanten Phase noch viel zu häufig Ruhe und Schonung angeraten. Mit der verordneten Schonung kommt es zu Folgeerkrankungen durch Bewegungsmangel und der Patient gerät in einen gefährlichen Teufelskreis aus Nebenwirkungen der medizinischen Behandlung, die den Allgemeinzustand beeinträchtigen und die Leistungsfähigkeit verringern, und den negativen Folgen des verordneten Ruhe und Schonung (BAUMANN/SCHÜLE 2008).

Die Nebenwirkungen der Behandlung wie u.a. einer Kurzatmigkeit und einer erhöhten Herzfrequenz sowie einer Müdigkeit und Erschöpfung, was als Fatigue-Syndrom beschrieben wird, werden durch den Bewegungsmangel und der daraus folgenden verminderten Leistungsfähigkeit verstärkt (DIMEO 2004). Hinzu kommt ein starker Muskelabbau und eine Abnahme der Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislaufsystems, wodurch die normalen Aktivitäten für die Patienten anstrengender werden.

Nach einer kurzen Zeit entsteht eine Chronifizierung des Problems mit einer weiteren verminderten körperlichen Aktivität aufgrund der raschen Erschöpfbarkeit, die zu einer weiteren Abnahme der Leistungsfähigkeit durch Bewegungsmangel führt. (LSB 2002). Die Nebenwirkungen der medizinischen Behandlung können durch eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining behoben werden und führen zu einer Verbesserung des Allgemeinzustandes und Verringerung des Fatigue-Syndroms des Patienten.

Aus diesem Grund ist die körperliche Aktivität ein wesentlicher Bestandteil in der Behandlung von Tumorpatienten (DIMEO 2001). Gleichzeitig bewirkt eine richtige dosierte Belastung eine Zunahme der Muskelmasse und Verbesserung der Herz-Kreislauffähigkeit, so dass die Sport- und Bewegungstherapie in der Krebsnachsorge notwendig ist, um die Nebenwirkungen der Therapie zu minimieren.

Bewegungstherapeutische Aktivitäten sollten aus diesem Grund schon in der Akutklinik Berücksichtigung finden und in den Rehabilitationskliniken und Rehabilitationsgruppen in Vereinen am Wohnort fortgeführt werden. Sport in der Krebsnachsorge ist ein zielgruppenorientiertes Übungsprogramm, in dem die Schwerpunkte auf Bewegung, Spiel und Spaß, Körperbewegung und Koordination liegen. Ein Schwerpunkt der sportlichen Aktivität ist die Erhöhung der Lebensqualität durch eine Verbesserung des physischen, psychischen und sozialen Bereichs.

Zu einer Veränderung dieser Bereiche kommt es durch eine angepasste sportliche Belastung, womit Funktionseinschränkungen aufgehoben oder vermindert werden können (DEUTSCHE KREBSHILFE 2006). Die Erfahrungen der letzten Jahre in der Sport- und Bewegungstherapie haben insbesondere bei Frauen nach Brustkrebs folgendes bewirkt

  • Eine Verbesserung funktioneller Einschränkungen (Arm-/Schulter-Bereich).
  • Der allgemeinen und spezifischen Erschöpfung (Fatigue-Syndrom) entgegenwirken.
  • Isolationstendenzen aufheben können (Gruppensport).
  • Zur psychosozialen Stärkung beitragen (Lebenszuversicht).
  • Zur Reduzierung von Angst, Schmerz und Depressivität beitragen.
  • Die Abwehrkräfte des Immunsystems stärken

Aufgrund des verschiedenartigen Wirkmechanismus kann behauptet werden, dass Sport als "Medikament" auf drei Bereiche (Physis, Psyche, sozialer Ebene) gleichermaßen und gleichzeitig beeinflussen kann (SCHÜLE 2006).

Thorsten Schmidt
Sportwissenschaftler M.A
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Literatur liegt beim Verfasser

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