­

Brustschwester für Nachsorge und Prävention

Verein Horizonte will brustkrebserkrankten Frauen ab August mit Pflegeexpertin unterstützen

Göttingen, 12. Mai 2011

Artikel aus dem Göttinger Tageblatt vom 11.05.2011

Welche Therapie ist für mich richtig? Wie gehe ich mit meinen Ängsten um? Und wie sage ich es meinen Kindern? Das alles sind Fragen die Frauen bewegen, wenn sie die Diagnose Brustkrebs erhalten. Eine Brustschwester möchte der „Verein zur Unterstützung brustkrebserkrankter Frauen – Horizonte“ den betroffenen Frauen zur Seite stellen.

Die Zahl der Frauen mit Brustkrebs steige, weiß Margitta Degener als Vorsitzende von Horizonte. 55000 Frauen in Deutschland seien vor drei Jahren betroffen gewesen, heute gehe man von 60 000 Frauen aus. Weil sich die Operationstechniken verändert hätten, blieben die Frauen nicht mehr lange im Krankenhaus. Schneller als früher seien sie auf sich selbst gestellt und müssten mit der neuen Situation zurecht kommen.

Eine Brustschwester als Pflegeexpertin für Brusterkrankungen soll Frauen aus Göttingen und Umgebung künftig in dieser schwierigen Phase helfen. Zusätzlich zu der ärztlichen Beratung kläre sie auf über die Nebenwirkungen der Strahlen- und Chemotherapie, sie gebe Tipps zur Versorgung mit Miederwaren, und stelle den Kontakt her zu Bewegungsangeboten und Selbsthilfegruppen. In der Informationsflut nach der Diagnose „hilft die Brustschwester, alles zu sortieren“, erläutert Degener.

Ihr Thema sei weniger die Wundversorgung als vielmehr die organisatorische und beratende Unterstützung. Auch in der Prävention könne sie mit Kursen zur Selbstuntersuchung der Brust tätig werden.

Petra Schottka steckt derzeit in der Ausbildung zur Brustschwester und möchte die Aufgabe ab August mit etwa zehn Stunden pro Woche für Horizonte übernehmen. Krankenschwestern oder Hebammen mit zweijähriger Berufserfahrung könnten sich in dieser Richtung weiterbilden lassen, erklärt die 44-Jährige. Deutschlandweit gebe es bislang drei bis vier Institutionen, die die Weiterbildung mit rund 250 Stunden anböten.

Sie selbst habe sich dazu entschlossen, nachdem sie eine Reportage über eine „Breast Care Nurse“ gesehen habe. Auch weil sie sich selbst mit der Erkrankung auseinandersetzen musste, entschloss sie sich, die Ausbildung in Angriff zu nehmen. Seit 2003 gibt es das Berufsbild in Deutschland, weiß Schottka. In Großbritannien und USA kümmerten sich Breast Care Nurses schon seit den 80er Jahren um betroffene Frauen.

„Jede Frau kann Kontakt aufnehmen, egal wo sie behandelt wird“, beschreibt Degener einen wichtigen Aspekt des geplanten Modells bei Horizonte. Über Spender werde die Stelle finanziert, auch die Ausbildung von Schottka sei nur mit Hilfe von Sponsoren möglich geworden. „Brustkrebs ist auch in der heutigen Gesellschaft ein ganz großes Tabuthema“, sagt Degener. Umso wichtiger sei es deshalb, den Frauen einen Gesprächspartner anzubieten.

Ein Patientinnentag wird am Sonnabend, 14. Mai, ab 11 Uhr in der Osthalle des Uniklinikums Göttingen veranstaltet. Dort erfahren die Teilnehmer von neuen Erkenntnissen in der Brustkrebstherapie. Sie lernen „Was ist erblicher Brustkrebs?“ und können teilhaben an der Auseinandersetzung mit dem Thema „Naturheilkunde in der Krebstherapie“. Nach einem Bewegungsangebot „Tanz in der Krebstherapie“ geht der Tag um 15 Uhr zu Ende. Die Veranstaltung wird unterstützt durch das BRCA-Netzwerk, die deutsche Krebshilfe und die Selbsthilfegruppe Horizonte.

zurück

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie in unserer Erklärung zum Datenschutz